Kürzlich gab der deutsche Jenoptik-Konzern bekannt, dass Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Wierlacher am 29. Dezember von seinem Amt im Aufsichtsrat zurücktreten wird. Das Unternehmen kündigte an, in naher Zukunft einen Nachfolger zu wählen.
Kurz nach dem Rücktritt des Präsidenten verlässt ein weiterer Top-Manager den Giant!
Allerdings hatte Vorstandsvorsitzender Stefan Traeger erst eine Woche zuvor angekündigt, dass er zum 15. Februar aus dem Jenoptik-Vorstand ausscheiden und den Jenoptik-Konzern verlassen werde. Das Unternehmen leitet nun den formellen Prozess zur Auswahl seines Nachfolgers ein.
Kurz nach dem Rücktritt des Präsidenten verlässt ein weiterer Topmanager den Lasergiganten!
Es wird davon ausgegangen, dass Herr Matthias Wierlacher seit 2012 Mitglied des Jenoptik-Aufsichtsrats ist und seit 2015 dessen Vorsitzender ist.
Insbesondere ist Matthias Wierlacher seit Februar 2002 Vorstandsvorsitzender der Thüringer Aufbaubank. Über ihre Tochtergesellschaften hält die Bank indirekt rund 11 % der Aktien der Jenoptik AG und ist damit größter Einzelaktionär des Unternehmens.
Brancheninsider weisen darauf hin, dass im Rahmen der dualen Governance-Struktur des Jenoptik-Konzerns der aufeinanderfolgende Rücktritt von CEO und Aufsichtsratsvorsitzendem innerhalb kurzer Zeit höchst ungewöhnlich sei. Besonders hervorzuheben ist, dass Dr. Traegers Amtszeit als CEO erst letzten Sommer bis 2028 verlängert wurde, was darauf hindeutet, dass sein mehr als zwei Jahre früherer Abschied möglicherweise kein geplanter, reibungsloser Übergang darstellt.
Dieser Führungswechsel kam nicht ganz unerwartet. Nur zwei Wochen vor der Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden hatte Jenoptik seinen Ausblick für das Gesamtjahr aufgrund eines deutlichen Gewinnrückgangs in den ersten drei Quartalen nach unten korrigiert. Das Unternehmen führte dies auf die Schwäche seiner Halbleiter- und modernen Fertigungsgeschäfte sowie auf den Kostendruck durch den Hochlauf neuer Fabriken zurück. Der Leistungsdruck diente wahrscheinlich als direkter Auslöser für die Umstrukturierung im Management.
Während seiner Amtszeit leitete Dr. Traeger die strategische Transformation des Unternehmens: Veräußerung von Nicht-Photonikgeschäften und Neuausrichtung auf Kernoptik/Photonik durch Übernahmen wie TRIOPTICS und Berliner Glas Medical. Der gleichzeitige Weggang sowohl des Strategen als auch des Hauptvorgesetzten kann zu Unsicherheit hinsichtlich der Kontinuität und Umsetzung der etablierten „More Value“-Strategie führen.
Als 11-prozentiger Anteilseigner verfügt die Thüringer Aufbaubank über maßgeblichen Einfluss. Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende, Herr Wierlacher, fungiert auch als Vorstandsvorsitzender der Bank, was auf eine mögliche intensive Einbindung der Aktionäre in die Corporate Governance schließen lässt. Die Bank und andere große institutionelle Aktionäre werden eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der Nachfolger für die Positionen des CEO und des Aufsichtsratsvorsitzenden spielen.
Insgesamt resultiert die Umstrukturierung der Jenoptik-Führung aus der Konvergenz von kurzfristigem Leistungsdruck, langfristiger strategischer Ausrichtung und wichtigen Aktionärsinteressen. Kurzfristig muss das Unternehmen mit Turbulenzen beim Managementwechsel und externen Zweifeln an der strategischen Kontinuität umgehen. Längerfristig wird die Fähigkeit des neuen Führungsteams, kurzfristigen Rentabilitätsdruck mit langfristigen Technologieinvestitionen in Einklang zu bringen und gleichzeitig die Beziehungen zu seinem größten, von der Politik-unterstützten Aktionär und zahlreichen internationalen Investmentfonds zu pflegen, die zukünftige Entwicklung des Unternehmens bestimmen.





